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Eröffnung 10.06.2011 19–23 Uhr ... Ausstellung »RaumWelten« mit Peter Franck und Josh von Staudach ... in der Galerie »Schacher – Raum für Kunst«

Wer Susanne Wegner kennt, denkt wahrscheinlich zuerst an ihre beeindruckenden Landschaftsbilder, die Andreas Langen einmal sehr treffend als „grandiose Kompositionen“ beschrieben hat, die aber nie „verklärt“ wirken. Sehr ähnlich könnte man auch Ihre Architektur-Fotografien charakterisieren, von denen drei Arbeiten in der Ausstellung „Raumwelten“ zu sehen sind.

Für mich besonders beeindruckend ist zunächst das große Bild hier an der Zwischenwand des Raums, das so scheint, als öffne es den Blick in einen lichten, weit in die Tiefe reichenden Bühnenraum. Nicht nur aufgrund des Formats, sondern auch dank der einfachen, reduzierten Formen und des gleichmäßigen, bläulichen Lichts wirkt die gesamte Anlage monumental. Auch die Seitenwände, die mit ihrer rechteckigen Struktur vielleicht nicht ohne Absicht die Liederhalle zitieren, tragen zur feierlichen und ruhigen Erscheinungsform des Gebäudes bei.

Ähnlich erhaben und geheimnisvoll erscheint auch eines der beiden Triptychen, das in Form und Farbe mit dem großen Einzelbild korrespondiert. Nischen in der Wand und im Boden wecken hier Assoziationen an archäologische Ausgrabungen. Man könnte denken, man befinde sich in einer ägyptischen Grabkammer. Oder auch in einer mittelalterlichen Kirche, aus deren Nischen im Laufe der Jahrhunderte die Skulpturen verschwunden sind. Und die Anordnung der drei Bilder als Triptychon verstärkt diesen sakralen Eindruck.

Dass es sich in beiden Fällen um Momentaufnahmen in einer Baustellensituation handelt, ist dem Betrachter zwar irgendwie bewusst, die Ästhetik der Bilder und das Gefühl von Erhabenheit, das sie hervorrufen, läuft der begrifflichen Erkenntnis jedoch zuwider. Räumliche Irritation vollzieht sich bei Susanne Wegner also nicht auf einer visuell-spielerischen Ebene, sondern im psychisch-emotionalen Sinne.

Auf fast gegensätzliche Weise macht dies das zweite Triptychon in dieser Ausstellung deutlich. Auch hier handelt es sich um eine Art Tunnelsituation. Doch die Stimmung ist eine völlig andere. Über Dachluken dringt fahles Tageslicht in eine von feuchtem Moos überzogene Betonstruktur, die in ihrer Düsternis so trostlos wirkt wie ein ehemaliger Versorgungstunnel in Tschernobyl oder ein Gang in einer verlassenen Raumstation. Über diesen Ort, so suggeriert das Bild, scheint eine Katastrophe hinweggegangen sein, deren Auslöser oder Verlauf dem Betrachter aber unergründlich bleibt.

(Text: Winfried Stürzl M.A.)

Ausstellungsdauer: 11. Juni bis 9. Juli 2011
Öffnungszeiten: Di–Fr 14–19 Uhr, Sa 11–16 Uhr

Ort: Galerienhaus, Breitscheidstr. 48, 70176 Stuttgart
www.galerie-schacher.de